Wirtschaftspolitischer
Dialog in Indonesien
Wirtschaftsordnungen und -reformen im Vergleich
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Dr. Wang bei der Diskussion
vlnr. Dr. Wang, Dr. Shah und Mr. Wibowo (Moderator) |
In Zusamenarbeit mit dem Zentrum für strategische und internationale Studien (CSIS)
und dem im Januar in Jakarta gegründeten Freedom Institute fand am 3. Juni
eine Dialogveranstaltung zur Wirtschaftspolitik statt, die sich dem Vergleich der beiden
grössten Volkswirtschaften in Asien zuwandte. Dr. Parth Shah, Wirtschaftsfachmann aus Neu
Delhi, Indien und Dr. Wang Xiaolu, Wirtschaftsforscher aus Beijing, China stellten einem
interessierten indonesischen Fachpublikum die jeweiligen Reformmodelle vor und zogen
Zwischenbilanz.
Sowohl für China als auch für Indien fällt diese Bilanz nicht schlecht aus. Hohe
wirtschaftsliche Wachstumsraten und steigende Volkseinkommen sind zu verzeichnen. Beide
Volkswirtschaften wiesen zu Beginn der Reformphase sehr unterschiedliche Ausgangslagen
auf. Auch hinsichtlich der eingeschlagenen Strategien sind grosse Unterschiede zu
verzeichnen, die sich beispielsweise deutlich in der unterschiedlichen Höhe der
ausländischen Direktinvestitionen niederschlagen. Beide Länder haben sich in der
Vergangenheit von sozialistisch geprägten Ordnungsvorstellungen entfernt und den
Marktkräften grösseren Spielraum eingeräumt. Gemeinsam sind der sogenannten
sozialistischen Marktwirtschaft in China und dem etatistischen,
interventionistischen Indien, dass die Freiheitspielräume für die Menschen, was ihr
Wirtschaftshandeln anbelangt, stetig erweitert wurden. Mehr Freiheit, mehr
Wirtschaftswachstum, lautet die einfache Formel.
Seit 1991, dem Beginn der Wirtschaftsreform, ist ein langsamer Rückgang der Armut und ein
Anstieg der Einkommen in Indien zu beobachten. Florierende Wirtschaftssektoren sind nicht
nur die IT- und Computerbranchen. Auch in der Automobilindustrie und dem
Telekommunikationswesen hat Indien beachtliche Fortschritte erzielt. Ähnliches kann im
Nachbarland China beobachtet werden, wo insbesondere die Privatwirtschaft mehr und mehr
zum Motor der Entwicklung geworden ist. Staatliche Unternehmen haben hingegen ihre
zentrale Bedeutung weitgehend eingebüsst. Im Bankensektor sind jedoch noch erhebliche
Reformanstrengungen notwendig. In China kann man bereits auf eine mehr als 20-jährige
Erfahrung mit marktwirtschaftlichen Elementen und Institutionen zurückschauen.
In Indonesien betrachtet man die unterschiedlichen Strategien und Reformansätze der
beiden Nachbarn mit grossem Interesse. Obwohl durch Ozeane von Indien und China getrennt,
verbindet Indonesien mit beiden Staaten eine lange Geschichte. Auch in Indonesien muss
noch sehr viel getan werden, um den Marktkräften Sicherheit (besonders in den Bereichen
Vertragssicherheit und Eigentumsschutz, aber auch bei der Rechtsdurchsetzung) und die
notwendige institutionelle Grundlage zu verschaffen, so dass Wohlstand für alle möglich
wird. Die Lektionen für Indonesien sind eindeutig: weniger Staatseingriff, bedeutet mehr
Wirtschaftswachstum und mehr Wohlstand. Um mithalten zu können, muss Indonesien seine
Stärken entwickeln und die Schwächen des bestehenden Systems beseitigen. Dann hat
Indonesien gute Aussichten, eine komplementäre Rolle in der Region zu spielen. Erste
Anzeichen für steigende Exporte nach China und Indien können auf die sehnlichst
gewünschte Morgenröte hindeuten. Für die Regierung Indonesiens, aber
besonders für die Menschen wäre dies ein möglicher Ausweg aus der wirtschaftlichen
Stagnation.
Dr. Rainer Adam, Stiftungsvertreter
Jakarta, Indonesien |